Ein türkischer Verleger bringt die erste überregionale deutsche Tageszeitung für Kinder auf den Markt.
Schon als Fünfjähriger wünschte sich Turgay Yagan eine Zeitung für Kinder. 45 Jahre später hat er sich seinen Traum vom kindgerechten Journalismus selbst erfüllt. Gemeinsam mit vier Redakteuren hat der frühere Herausgeber des türkischen "Tennis Magazins" das Blatt "Meine Zeitung" auf den Markt gebracht. Yagans Zielgruppe sind Kinder und Jugendliche im Alter von sieben bis dreizehn Jahren.
Das Recht der Kleinen auf ein eigenes Printmedium begründet Yagan, der in Tübingen BWL studiert hatte, damit, dass sie viel empfindsamer als Erwachsene seien und daher anders aufbereitete Nachrichten benötigten.
Yagans Kindertageszeitung erscheint im Tabloid-Format und kostet 40 Cent. Auf zwölf Seiten bietet "Meine Zeitung" aktuelle Nachrichten, Rätsel, Comics, eine Ratgeberecke, Lesetipps und das Fernseh- und Radioprogramm für Kinder. In Nordrhein-Westfalen, Osnabrück, Hamburg und Lübeck wurde die Kinderzeitung bereits getestet. Bundesweit sind 100.000 Exemplare geplant.
Die Geschäftsidee vom Nachrichtenblatt für Kinder ist auch in der Chefetage des Axel Springer Verlags gut angekommen. Springer-Chef Mathias Döpfner findet es ebenfalls wichtig, Kinder schon "im frühesten Schulalter an die Tageszeitungslektüre heranzuführen" statt über die Lese-Unlust der Jüngeren zu klagen. Deshalb schwebt dem Vorstandschef ein Blatt mit "ganz eigenen Themen und journalistischen Perspektiven" vor.
Turgay Yagan sieht der Konkurrenz aus Hamburg gelassen entgegen. Er fühle "sich geehrt", wenn sein Projekt "nachgemacht" werde, so Yagan.
Der Pionier weiß aber auch, dass Konkurrenz das Geschäft belebt und eine Verbesserung des Marktergbenisses erfordert. Deshalb arbeitet der 50-Jährige an der Weiterentwicklung seines Projektes. So will er etwa die Informationsquellen der Zeitung erweitern. Hierfür sollen künftig auch Büros in Hamburg, Berlin, Frankfurt, Stuttgart und München eigenproduzierte Beiträge und regionale Seiten liefern.
Anja Pasquay, Pressereferentin des Verbandes der Deutschen Zeitungsverleger, drückt Yagans Zeitung die Daumen. "Wir wünschen den Machern viel Glück, bisher sind solche Projekte allerdings immer an den Kosten gescheitert", so Pasquay. Die Chancen für die Kinderzeitung stünden aber nicht schlecht, "wenn die Redaktion es versteht, auf der Pisawelle mit zu schwimmen."
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