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Rekordauswanderung aus Deutschland

Im Jahr 2005 kehrten 145.000 Deutsche ihrer Heimat den Rücken zu. Die meisten für immer.
Die Zahlen von Auswanderern aus Deutschland nehmen dramatisch zu. Anfang Juli 2006 teilte das Statistische Bundesamt mit, dass im vergangenen Jahr rund 145.000 Deutsche ihre Heimat verlassen haben. Das war nach Angaben der Statistiker die höchste registrierte Abwanderung von Deutschen seit 1950. Die meisten Auswanderer zieht es in die Schweiz und in die USA. Beliebte Ziele sind auch Österreich, die Niederlande und Norwegen.

Die deutsche Wirtschaft schlägt nun Alarm. Sie befürchtet den Verlust hoch qualifizierter Arbeitskräfte durch die zunehmende Abwanderung ins Ausland. Weit mehr als die Hälfte der Emigranten sei jünger als 35 Jahre, sagte der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Ludwig Georg Braun, der "Welt". „Darunter sind viele qualifizierte und hoch motivierte Köpfe. Das ist ein Alarmzeichen“, so Braun.

Eine zentrale Ursache des Auswanderungsphänomens ist aus Sicht von Braun, dass andere Länder oft bessere Standortbedingungen als Deutschland haben. Die hohen Steuern und Sozialabgaben, ein nahezu undurchlässiger Arbeitsmarkt und Defizite in der Bildungs- und Betreuungs- Infrastruktur stellten erhebliche Standortnachteile dar. „Deutschland muss deshalb endlich seine Strukturprobleme anpacken und so für qualifizierte Fachleute ein möglichst attraktiver Standort sein.“

Der SPD-Bildungspolitiker Jörg Tauss nannte Brauns Kritik eine "schlichte Frechheit". Eine Wirtschaft, die qualifizierte Menschen in unbezahlte Praktika abschiebe, habe keinerlei Berechtigung, sich über die Folgen der eigenen Politik zu beklagen.

Forsa-Umfrage
Die schlechte wirtschaftliche Lage gilt nach einer Forsa-Umfrage für 36,5 Prozent der Deutschen als Auswanderungsgrund Nummer eins, gefolgt vom Jobangebot im Ausland mit 25,5 Prozent. "Es gibt regelrechte Anwerbeprogramme für Facharbeiter und Handwerker zum Beispiel in Norwegen, Österreich oder der Schweiz", erklärt Hilmar Schneider, Direktor des Bonner Forschungsinstituts zur Zukunft der Arbeit. Unter den Auswanderern geht nach Schätzungen jeder Dritte zum Studium ins Ausland. Experte Schneider: "Auf dem internationalen Akademikermarkt zeigt sich, dass Deutsche keine schlechten Chancen haben."

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