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Nicht ohne meine Schuluniform!

Was in Deutschland zaghaft angedacht wird, gehört in der Türkei zum Alltag: der Einheitslook in den Schulen.
Seit dem zwei türkische Schülerinnen nach den Osterferien vollverschleiert in ihre Bonner Schule zurückgekehrt sind, ist in Deutschland der Ruf nach einer einheitlichen Schulkleidung lauter geworden. Die Befürworter der Schuluniform versprechen sich neben der Lösung von Integrationsproblemen auch eine effektivere Bekämpfung des Markenterrors in den Schulen.

In der Türkei tragen Schülerinnen und Schüler seit Jahrzehnten eine Schuluniform. Genauer gesagt seit Einführung der allgemeinen Schulpflicht im Jahr 1924 durch den türkischen Staatsgründer Mustafa Kemal Atatürk. Soziale Unterschiede, so eines der Ziele, die hinter dem Einheitslook stecken, sollen in der Schule nicht zur Geltung kommen. Eine andere Überlegung hinter dem strengen Kleiderdiktat: Religiöse Bekenntnisse im Sinne des islamischen Kopftuches bleiben auf diese Weise draußen. Lehrer und Schüler müssen sich deshalb an dieses strenge laizistische Erziehungsprinzip halten und dürfen nicht verschleiert in die Schule kommen. Außerhalb des Schulgebäudes steht es ihnen aber frei, ob sie ein Kopftuch tragen.

Grundstufe
Während in den staatlichen Grundschulen (ilk okul) die Jungen und Mädchen kittelähnliche Schulkleidungen mit weißem Rundkragen tragen, beginnt die geschlechtstypische Differenzierung der Kleidung erst mit dem Wechsel auf die Mittelschule (orta okul). Dort ist für jeden männlichen Schüler das Tragen eines zweiteiligen Anzugs mit Hose, Hemd und Krawatte verbindlich. Das Hemd muss während des Aufenthaltes in der Schule in der Hose stecken. Erst mit dem Verlassen des Schulgebäudes dürfen die Schüler ihre Krawatten lösen. Dann kann auch schon mal das Hemd über der Hose hängen. Im Winter ersetzen viele Schulen das Hemd durch einen Pullover.

Mittelstufe
Die Schülerinnen tragen auf der Mittelstufe eine Bluse zu ihren knielangen Röcken. Krawatten oder Schleifen gehören an vielen Schulen auch bei ihnen zur Pflicht. Die Schülerinnen müssen außerdem das Haar mit Spangen oder Haarreifen aus ihren Gesichtern halten. Offenes Haar ist tabu. Auch Schmuck, Schminke und hohe Absätze sind nicht erlaubt. Jungs müssen das Haar kurzgeschoren tragen.

Oberstufe und weiterführende Schulen
In der dreijährigen Oberstufe (lise) herrscht weiterhin Schuluniform-Pflicht. Das gilt auch für die "beruflichen Gymnasien" (meslek liseleri).

Erst mit dem Wechsel an eine Hochschule dürfen die Schüler entscheiden, mit welcher Kleidung sie zum Unterricht erscheinen. Aber ganz ohne Reglementierung will man auch dort nicht auskommen. Denn laut einer verschärften Kleiderverordnung aus den neunziger Jahren herrscht an den Universitäten striktes Kopftuchverbot. Studentinnen, die sich nicht daran halten, droht die Exmatrikulation.




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