Istanbuler Gay-Club schickt Liste mit Namen seiner Stammgäste an die Presse.
Es sollte eine Promotion für den eigenen Gay-Club werden. Das ist es in der Tat auch geworden, allerdings dürfte der Schuss nach hinten gegangen sein, und mit ihm der Traum von einem gut besuchten Nacht-Club.
In den vergangenen Tagen schlug die Nachricht von der Liste der Stammgäste des Istanbuler Gay-Clubs Barbahce wie eine Bombe ein. In einem Fax erhielten Medienvertreter neben einer Presserklärung auch noch eine Stammgäste-Liste. Die namentlich Genannten dürften über diese eigenwillige Form des Outens nicht erfreut sein, zumal die Türkei beim Thema Homosexualität noch ein wenig Nachhilfe im Fach Toleranz braucht.
In der Presseerklärung von Barbahce hieß es: "Die Stammgäste kommen direkt zu uns und halten sich hier bis vier Uhr morgens auf. Sie amüsieren sich prächtig, tanzen oder vertreiben sich die Einsamkeit mit jemandem, den sie hier kennen lernen.
Wie trendy der Club ist, unterstrichen die PR-Leute von Barbahce' mit einer Liste von Stammgästen. Unter ihnen der Literat Murathan Mungan, DJ Mercan Dede, Schauspieler Halil Ergün, Designer Cemil Ipekci, Model Deniz Pulas, Musiker Mete Özgencil, Sängerin Seyyal Taner und Selin Denizli, Ex-Freundin von Ilhan Mansiz.
Die genannten Promis waren nicht gut anzusprechen auf die Veröffentlichung ihrer Namen.
Murathan Mungan
'Eine sehr hässliche Aktion' "Ich gehöre nicht zu der Sorte Mensch, die einen Hehl daraus macht, wie sie denkt, was sie macht und wo sie sich aufhält. Ich schreibe auch oft darüber, an welchen Orten ich mich aufhalte. Abgesehen davon habe ich gedacht, dass dieser Ort nur für eine geschlossene Gesellschaft ist. Als Murat Celiklak diesen Club noch betrieben hatte, bin ich ihn oft besuchen gegangen. Es gab dort ein Mädchen mit dem Namen Beyza, sie war damals DJ. Ihretwegen bin ich oft dorthin gegangen. Aber das was sie heute gemacht haben, ist eine sehr hässliche Aktion. So macht man doch keine Promotion. Sie haben die Menschen ins offene Messer laufen lassen."
Halil Ergün
'Ich habe kein Nachtleben' "Wenn diese Leute behaupten, dass ich ihren Club besuche, dann ist das eine Lüge. Wann bin ich denn dorthin gegangen, dass ich zu ihren Stammgästen zähle? Wer sind die überhaupt, dass sie eine solche Presserklärung verfassen. Ich gehe ins BILSAK, und das war nur ein einziges Mal. Aber ich habe nicht gewusst, dass es sich um eine Gay-Bar handelt. Das Wort Stammgast auf mich zu beziehen, ist sehr schlimm. Nicht weil ich etwas dagegen einzuwenden hätte, sondern weil ich derartige Orte nicht aufsuche. Abgesehen davon habe ich kein Nachtleben."
Seyyal Taner
'Den Namen habe ich noch nie gehört' "Von einen solchen Ort habe ich in meinem ganzen Leben noch nicht gehört. Ich kenne nur das BILSAK, aber da bin ich noch nie gewesen. Wie kann ich denn in diesem Fall Stammgast einer solchen Lokalität sein. Ich habe kein Problem mit solchen Orten, ich habe eine Menge schwuler Freunde, aber ich kann doch wirklich nicht der Stammgast dieser Bar sein, wenn ich dort noch niemals war. Selbst wenn ich mich dort aufhalten würde, finde ich es nicht gut, dass die Namen genannt werden. Ist schon lustig, die ganze Sache. Was soll ich dazu sagen?"