Die Sexualpsychologie versteht unter Fetischismus
die Verhaltenstendenz von Menschen, sich durch Gegenstände stimulieren
und erregen zu lassen. Die sprachlichen Wurzeln des Begriffs "Fetisch"
kommt aus dem lateinischen Verb facere (machen) und dem portugiesischen
Wort feitico (Zauber). Bei Naturvölkern und in schamanistisch geprägten
Kulturen steht der Begriff für die Verehrung lebloser Gegenstände.
Dort werden Fetische in religiösen Zusammenhängen oder in der
Naturheilkunde benutzt.
Fussfetischismus ist einer der ältesten öfftenlich beschriebenen
Fetische. Als die Frauen noch lange Röcke trugen, unter denen die
Füße wie zufällig hervorschauten, lockte die Verhüllung
die Phantasie auf Fuss, Bein und Fußbekleidung und förderte
die fetischistische Vorliebe für diese Körperteile und deren
Bekleidung. Der Schriftsteller Rétif de la Bretonne (1734 - 1806)
ist der wohl erste eindeutig belegte Fuß- bzw- Schuhfetischist, der
gegenüber seinen Freunden und in seinen Schriften darüber plauderte,
wie er z. B. den einen Schuh liebkoste, während ihm der andere "das
Weib ersetzte".
Es waren genaugenommen die Absatzschuhe der feinen Damen, die es ihm
angetan hatten, ein Freund berichtete über Rétif: War eine
Frau auch noch so hässlich im Gesicht, war sie selbst bucklig oder
hinkte sie, so verliebte sich unser teurer Freund doch bis zum Wahnsinn
in sie, wenn sie nur einen hübschen Fuß und besonders einen
schönen beschuhten Fuß hatte."
Später erwogen Psychologen, den Fuß- und Schuhfetischismus
nach Rétif auch Rétifismus zu nennen (so wie Sadismus nach
de Sade). Sigmund Freud erklärte den Fussfetischismus folgendermassen:
Die fetischartige Verehrung des weiblichen Fußes und Schuhs scheint
den Fuß nur als Ersatzsymbol für das einst verehrte, seither
vermisste Glied des Weibes zu nehmen." Freuds Erklärungen sind allerdings
längst wiederlegt.
Krafft-Ebing sah den Schuh- und Fußfetischisten als einen larvierten
Masochisten an. Er nahm an, der Fuß und der Schuh werde dadurch besonders
zum Fetisch, weil hierbei der Wunsch des Unterworfenseins symbolisiert
werde. Ebenso wie man als Zeichen der Unterwerfung des Gegners früher
vielfach den Fuß auf seinen Leib setzte und die Unterwerfung symbolisierte.
Tatsächlich hat Fußfetischismus - wie alle Formen des Fetischismus
- nichts mit Erniedrigung zu tun, allerdings sind Fußfetischisten
nicht selten auch devot veranlagt. Fußfetischismus beinhaltet in
der Regel das Betrachten, Berühren oder Küssen/Lecken der Füße
einer anderen Person, dabei gibt es ausgesprochen unterschiedliche persönliche
Vorlieben: Der Fetisch kann sich auf den nackten oder den bekleideten Fuß
richten. Auch die als Auslöser der Erregung wirkenden Sinneswahrnehmungen
kann individuell unterschiedlich sein: Bei sehr vielen Fußfetischisten
ist der Geruch und/oder Geschmack ein Auslöser, es kann aber auch
die Berührung oder der Anblick des Fusses sein.
Viele Fetischisten haben Vorlieben und Abneigungen, was die Fußform
betrifft und finden manche Füße erregender als andere. Ebenso
ist es mit der Bekleidung der Füsse. So liebt der eine besonders Halbschuhe,
der andere Reitstiefel, wieder andere reagieren nur auf Schnürstiefel
oder Knopf-Stiefelettchen; manche lieben nur Tanzschuhe oder Pantoffeln.
Oft spielt auch der Geruch des Leders dabei eine Rolle.