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Geduldsprobe

Erdogan sagt "Wir informieren jedes Land darüber und wir haben im Augenblick keine Geduld mehr"
Irak und Türkei begannen Beratungen über Konflikt
Ranghohe Vertreter des Irak und der Türkei sind heute in Ankara zu Gesprächen über das weitere Vorgehen gegen die Rebellen der Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) im Nordirak zusammengekommen. Der irakischen Delegation gehörten Verteidigungsminister Abdel Kader Mohammed und der Minister für nationale Sicherheit, Schirwan el Waeli, an, auf türkischer Seite nahmen unter anderen Außenminister Ali Babacan und Innenminister Besir Atalay an dem Treffen im türkischen Außenministerium teil. Insgesamt besteht die irakische Delegation aus elf Mitgliedern.

PKK-Falle - Vietnamisierung des Nordiraks?
"Wir informieren jedes Land darüber und wir haben im Augenblick keine Geduld mehr", sagte Erdogan weiter. Es sei das Recht Ankaras zu handeln. Auch Gül erneuerte seine Drohungen gegen die PKK. Die türkische Regierung zeigt sich nach wie vor entschlossen, militärisch gegen die PKK-Rebellen im Nordirak vorzugehen. Die Türkei sei fest entschlossen, alle erforderlichen Massnahmen zu ergreifen, um die Bedrohung zu beseitigen.Türkische Sicherheitskreise bestätigten Vorstöße von Bodentruppen und Kampfflugzeugen in den Norden des Nachbarlandes. Am Mittwoch hätten Soldaten einen Angriff von PKK-Kämpfern zurückgeschlagen, die sich anschließend über die Grenze in den Irak geflüchtet hätten. Sein Land verliere langsam die Geduld und werde konsequent alle notwendigen Schritte gegen die PKK unternehmen, sagte Präsident Abdullah Gül am Donnerstag in Ankara. Vom Irak dürfe keine Bedrohung der Nachbarländer mehr ausgehen.

Die Stimmung ist so aufgeheizt, dass Generalstabschef Yasar Büyükanit, der als Falke gilt, bereits zur Besonnenheit mahnt: Die Reaktionen auf den Terror der PKK dürften "nicht außer Kontrolle" geraten, meint der Armeechef. "Denn genau das ist es, was die Terroristen erreichen wollen." Zwar flogen türkische Kampfflugzeuge auch am Donnerstag Angriffe auf mutmaßliche PKK-Stellungen im Nordirak. Doch Ministerpräsident Tayyip Erdogan zögert, den Befehl für einen groß angelegten Einmarsch ins Nachbarland zu geben. Denn er fürchtet eine strategische Falle der PKK.

PKK hat im Südosten der Türkei keinen großen Einfluss mehr
Die 1978 von dem Studenten Abdullah Öcalan gegründete und straff stalinistisch ausgerichtete "Partiya Karkeren Kurdistan", die kurdische Arbeiterpartei, rief 1984 den bewaffneten Kampf für einen Kurdenstaat aus. Öcalan lebte damals bereits in der syrischen Hauptstadt Damaskus im Exil. Im syrisch kontrollierten Bekaa-Tal befanden sich auch die Ausbildungscamps der Guerilla.
Doch auf massiven Druck der Türkei warf Syrien Ende 1998 die PKK aus dem Land. Öcalan wurde ausgewiesen und im Februar 1999 von türkischen Fahndern in Kenia festgenommen. Er sitzt auf der Gefängnisinsel Imrali im Marmarameer eine lebenslange Haftstrafe ab. Die meisten seiner Kämpfer zogen sich in den Nordirak zurück. Die Ausweisung aus Syrien, die Verurteilung Öcalans - das waren Rückschläge, von denen sich die PKK nie erholt hat. Verfügte sie in den 90er-Jahren noch über mehr als 10 000 bewaffnete Kämpfer, dürften es heute allenfalls 5 000 sein. Davon halten sich etwa 3 500 in den Kandil-Bergen im Nordirak auf, wo die PKK zehn größere und ein Dutzend kleinere Lager hat.

Wie stark der einst dominierende politische Einfluss der PKK unter den türkischen Kurden geschwunden ist, zeigte sich bei der Parlamentswahl im Juli: Damals erzielte die islamisch-konservative Regierungspartei von Premier Erdogan in den Kurdenprovinzen Stimmenanteile von deutlich über 50 Prozent - vor allem auf Kosten der pro-kurdischen DTP, die vielen als politischer Arm der PKK gilt. Wenn die Rebellen nun den Konflikt schüren, dann vor allem, um eine Normalisierung der Lage in den Kurdengebieten zu verhindern und eine politische Lösung der Kurdenfrage zu torpedieren. Denn kommt es dazu, wäre die PKK der große Verlierer.





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